Wie alles begann …


Wir sprachen mal wieder über Bücher. Und Leseshows. Und so.

„Es wird viel zu wenig gelesen“, sagte Jens. Jens Gantzel, der Autor.

;„Und geraucht“, ergänzte ich. „Und getrunken.“

„Stimmt. Musik wär‘ auch nicht schlecht. Und ein bisschen nette Gesellschaft, vielleicht.“

„Fragt sich nur, wo.“

„Na, hier“, mischte Raimund sich ins Gespräch ein. Raimund war der Wirt des Ladens, in dem wir gerade standen. Und mal wieder über Bücher sprachen. Und Leseshows. Und so. „Oder gefällt euch meine Kneipe nicht?“

Wir guckten uns um. Waren schließlich zum ersten Mal da.

„Na ja“, meinte Jens. „Die Musik ist okay.“

„Und rauchen darf man hier auch noch“, konstatierte ich (ja, ja, das ist lange her …).

Wichtig. Für mich, zumindest. Auch das Bier schmeckte.

„Aber was ist mit Gesellschaft?“ erkundigte sich Jens.

„Und was mit Lesen?“ fragte ich – Gesellschaft ist mir nicht so wichtig.

„Wie wär‘s damit“, meinte Raimund, „ihr übernehmt das Lesen, und ich kümmere mich um Gesellschaft? Also, Publikum.“

Na ja, dachte ich, Publikum ist ja was anderes als Gesellschaft. Gegen Publikum hab ich schließlich nichts. Außerdem gab Raimund noch ’ne Runde.

So fing‘s an.

Jens und ich machten uns ein paar Bier lang Gedanken und tauften das Baby Lesen bildet!. Und schon war ich Mitglied einer zweiten Leseshow.

„Aber ich finde, wir sollten ein paar Sachen ein bisschen anders machen als die anderen.“ Fand Raimund auch. Jens sowieso.

„Musik!“ beschlossen wir. „Uns geht‘s doch um Lesen und Musik! Wie wär‘s mit einem Musiker in der Leserunde?“

Na ja, jetzt waren wir schon Gastgeber einer Leseshow, da konnten wir uns auch einladen, wen wir wollten. Also holten wir meinen alten Kumpel Volker mit ins Boot. Volker Becker, den Geiger, Gitarristen und Sänger.

„Und jeder liest, was er will? Oder was er gerade in der Schublade hat?“

„Nix da. Wir haben ein Thema!“

„Welches?“

„Was weiß ich. Guck doch in‘n Kalender.“

„Gute Idee!“


Weswegen der Premierenabend am 17. Mai 2007 unter dem abendfüllenden Thema „Himmelfahrt“ stand. Gastleserin Suzanne Ziellenbach erklärte uns, was es mit diesem Feiertag auf sich hat, und las eine passende Kurzgeschichte; Ruth Schiffer, Gastleserin Nummer Zwei, überraschte uns mit einer Story, die als Kontrast einen alkoholbedingten Absturz beschrieb; Jens und ich umkreisten das Thema weiträumig, und Volker lockerte das Ganze mit passenden Songs aus seinem unerschöpflichen Repertoire auf.

Schöner Abend. Voller Erfolg.

Also: Weitermachen.


Nicht ganz.

Also, weitermachen schon, aber anders.

Ohne Jens, zum Beispiel. Der hatte, sowohl in seinem Beruf als Lesefutter-Macher als auch privat, so viel um die Ohren, dass er sich gleich nach der Premiere schon wieder verabschieden musste. Mit Bedauern, auf beiden Seiten.

Ruth Schiffer gefiel es dafür bei uns so gut, dass sie freudig die Rolle der Gastgeberin übernahm. Lesen bildet! gefiel uns allerdings nicht mehr (obwohl es natürlich stimmt). Weshalb die Show ab sofort Lesezeichen hieß.

Also: Weitermachen.

Wenn auch erst im September – konnte ja keiner damit rechnen, dass es in diesem Sommer überhaupt kein Biergartenwetter gab, man also gar keine Sommerpause hätte machen müssen …

Ach, ja – ab und zu ein gutes Süppchen könnte auch nix schaden, dachte Raimund sich noch. Und beschloss, zu jedem Lesezeichen-Abend eins zu servieren. Und das sogar gratis.

Applaus. Danke.

Und so machten wir das dann, zwei Jahre lang.

Eine Handvoll weiterer schöner Abende.

Wunderbare Gastleser.

Herrliche Texte - tragisch, komisch, tragikomisch, berührend, spannend, unterhaltsam.

Unvergessliche Lieder.

Weitermachen?

Na, klar doch!

Wie bisher?

Nicht ganz.

Auffälligste Veränderung: Seit Oktober 2009 findet Lesezeichen im „Zentrum für‘s Wesentliche“ statt – vulgo Backes.

An 4 Sonntagabenden im Jahr (Näheres unter Termine).


Natürlich möchten wir uns an dieser Stelle noch mal bei Raimund bedanken und wünschen ihm und seiner Fifi-Bar alles erdenklich Gute.


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